Bettler vor Postbank

Die Postbank in Hamburg. Foto: Postbank






Die kursive Geschichte ist unwahr.
Die andere Geschichte ist wahr.

Seit einigen Tagen treffen sich Bettlerinnen und Bettler vor der Postbank in Hamburg, sprechen Angestellte an, die hier alles lernen können. Die Bettler fragen nicht: "Haste mal´n Euro?" Sie fragen: "Haste mal´n Sparbuch?" Denn immer mehr Postbankkunden schicken Sparbücher nach Hamburg, die sie angeblich verloren haben. Sind die erst bei der Postbank in Hamburg, sind sie wirklich weg.

Ich habe am 18. November 2012 in einer Tasche, die seit über acht Jahren im Stubenschrank lag, ein auf mich ausgestelltes Sparbuch der Postbank Hamburg gefunden. Die letzte Buchung stammte vom 28. November 2003, das Guthaben betrug 650 Euro. Mit diesem Sparbuch ging ich am 19. November 2012 zu einer Postfiliale. Die Angestellte fand das Konto im Computer nicht, rief deswegen in Hamburg an, machte Kopien von meinem Sparbuch und schickte diese nach Hamburg. Sie notierte sich auch meine neue Adresse und meine Telefonnummer, denn Ende 2003 bin ich nach Wilhelmshaven umgezogen.

Da Sparbücher, die wirklich weg sind, auch irgendwie verschwinden müssen, verlosen die Postbankangestellten ab morgen täglich zehn verloren gegangene Sparbücher. Die Ziehung der Gewinnerinnen und Gewinner findet immer um 16 Uhr statt. Abgehoben werden muss das Guthaben noch am gleichen Tag bis 17 Uhr. Nach dieser letzten Buchung wird das Sparbuch entwertet. Für die Entwertung der Sparbücher berechnet die Postbank von Hamburg immer genau die Gebühr, die dem Guthaben entspricht. So geht für die Postbank kein Euro verloren, die Gewinnerinnen und Gewinner werden mit einer warmen Suppe getröstet.

Am 23. November 2012 gehe ich wieder zu der Postfiliale. Das Sparkonto ist immer noch verschwunden. Die Angestellte schickt mich zur Hauptpost von Wilhelmshaven. Dort hat die Postbank von Hamburg eine Beratungsstelle. Die suche ich am 26. November 2012 auf. Helfen kann man mir aber nicht. Auch aus Hamburg habe ich noch nichts gehört. Kein Brief. Kein Anruf.

Die Bettlerinnen und Bettler, die sich täglich vor der Postbank in Hamburg ein Stelldichein geben, wollen nächste Woche eine Kommission bilden, die mit der Postbank über eine Gebührensenkung verhandeln soll. Mit einer warmen Suppe abgespeist zu werden, halten auch die Grünen für unsozial, die sich bereits solidarisch erklärt haben.

Am 27. und 28. November 2012 geht nichts bei meiner Postfiliale, der Computer ist abgestürzt. Ich radele zu einer Postfiliale im Stadtnorden. Die Angestellte gibt die Kontonummer meines Sparbuches ein, auf dem Computer flammt ein Code auf. Sie ruft die Postbank in Hamburg an. Dann teilt sie mir mit: "Sie haben Ihr Sparbuch verloren." Wann und wo das gewesen sein soll, verrät sie mir nicht. Meine Frage, warum sich in meinem Besitz ein Sparbuch befindet, das ich angeblich verloren habe, kann sie nicht beantworten. Auch sie verweist mich auf die Beratungsstelle in der Hauptpost von Wilhelmshaven. Die werde mein Sparbuch einschicken. Ich nehme mein Sparbuch und stecke es wieder ein. Unterwegs achte ich darauf, dass ich mein Sparbuch nicht verliere.

Die Caritas will noch vor Weihnachten eine Aktion unter dem Motto "Postbank-Sparbücher verlieren in Briefkästen der Caritas" starten. Die Postbank Hamburg soll 20 Prozent der Guthaben spenden, 80 Prozent werden ausgebucht. Aus dem Bundesfinanzministerium verlautet bereits, dass mit einer Aktion "Alle Sparbücher aller Banken verlieren" die Euro-Krise bewältigt werden könnte. Gerettet seien dann auch alle Banken in Europa. 

Mein Sparbuch habe ich vorsichtshalber an einer Stubenwand festgenagelt. Sonst kommt es noch wirklich weg...Die Kopien müssen der Postbank in Hamburg reichen.

13. Dezember 2012
Mail an die Postbank AG (Eingang bestätigt)

Sparkonto 27......

Da die Postbank Hamburg in den vergangenen dreieinhalb Wochen Anfragen der Postfiliale Wilhelmshaven-Heppens und der Hauptpost Wilhelmshaven ignoriert hat, fordere ich die Postbank Hamburg hiermit auf:

Mir entweder bis 14. Dezember 2012, 12 Uhr, eine Abschlussbuchung vorzulegen, mit der mein Sparkonto auf Null gesetzt wird.

Oder mir das Guthaben in Höhe von 650,69 Euro (Stand 28. 11. 2003) plus Zinsen per Barscheck oder per Überweisung auf mein Konto ... bei der Sparkasse Wilhelmshaven (BLZ 28250110) zukommen zu lassen.

Sollte die Postbank Hamburg weiter nicht reagieren, schalte ich einen Anwalt ein.

Die Postbank hat meiner Beschwerde die Bearbeitungsnummer 7276631 zugeteilt.

15. Dezember 2012
Endlich einmal eine Antwort

Guten Tag,

vielen Dank für Ihre E-Mail mit der Bearbeitungsnummer 7276631.

Ich habe veranlasst, dass Ihr Anliegen umgehend bearbeitet wird.

Bei Rückfragen setzt sich der Fachbereich mit Ihnen in Verbindung. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir personenbezogene Daten ausschließlich per Post oder über Ihre persönliche Nachrichtenbox im Online-Banking übermitteln.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Postbank E-Mail Team
Annemarie Barth

20. Dezember 2012
Schreiben an die Deutsche Postbank


Sehr geehrter Herr Bauer,

vielen Dank für Ihr Schreiben, das Sie mit 22. 11. 2012 datieren, laut Poststempel am 18. 12. 2012 abgeschickt haben und das mich heute, also am 20. Dezember 2012, erreichte.

Ihrem Brief zufolge habe ich im Laufe der Zeit drei Sparbücher gehabt. Eins, das ich am 1. Dezember 2003 mit einem Guthaben von 650,70 Euro verlor, eins, das am 14. 12. 2005 mit einem Restguthaben von 0,50 Euro aufgelöst wurde, und ein drittes, das ich am 28. März 2006 mit einem Restguthaben von 3,36 Euro zurückgeben sollte.

Wenn Sie weiter recherchieren, habe ich eines Tages möglicherweise sogar zwölf Sparbücher gehabt. Neben mir auf dem Schreibtisch liegt aber nur ein Sparbuch mit einer letzten Einzahlung von 650 Euro am 28. November 2003. Die Postfiliale von Wilhelmshaven-Heppens und die Hauptpost von Wilhelmshaven haben Ihnen davon Kopien geschickt. Das geschah am 19. November 2012 und am 4. Dezember 2012.
Warum belegen Sie Ihre Behauptungen nicht mit Buchungsbelegen? Warum präsentieren Sie mir keine Abschlussbuchung für das angeblich verlorene Sparbuch? Warum nennen Sie in Ihrem Schreiben zudem Kontonummern, die mir unbekannt sind?

Nun wollen Sie mir 3,36 Euro überweisen. Woher haben Sie diese Summe?








Kommentare

  1. seriös ist etwas anderes als die postbank...

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  2. ich habe am 4. 12. 2012 über die hauptpost in wilhelmshaven die 2. anfrage gestartet.

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    1. ihr sparbuch als rettungsschirm?

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    2. die postbank hat keine ordentliche buchführung?

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  3. herr tjaden, sie sind kein einzelfall. nach langem ärger mit der postbank habe ich alle konten gekündigt. es gibt genug banken, die kundenfreundlich sind.

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  4. die müssen rücklagen bilden. da zählt jeder euro...

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/fonds/nachrichten/geschlossene-fonds-wuetende-anleger-klagen-gegen-postbank-vorstand/7528512.html

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  5. die 3,36 euro hat herr bauer vielleicht in einer kaffeekasse der commerzbank gefunden...

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  6. von den 3,36 euro zieht die postbank eine gebühr von 3,37 euro ab und eröffnet für sie ein viertes sparbuch mit einem minus von 1 cent, das sie sofort verlieren sollten...

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    1. sieht so die bankenrettung aus?

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    2. Ich weiß nicht, wie sie aussieht, aber es ist die Bankenrettung - zweifellos!

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  7. Hallo,
    mich würde mal interessieren wie der jetzige Stand dieser Angelegenheit ist? Da mir gerade ähnliches widerfährt. 22.07.2004 letzte Eintragung im Postsparbuch in Höhe von 2300 €.Am 17.05.2013 wollte ich das Sparbuch auflösen und bekam die Auskunft, es würde nicht existieren. Geführt wird das Sparbuch bei der Postbank Hamburg, eröffnet wurde das Sparbuch bei uns im Ort ca. 300 Km von Hamburg entfernt. Auch der Anruf bei der Postbank Hamburg(von uns als auch den hiesigen Postangestellten) brachte kein anderes Ergebnis. Es hatte absolut niemand Zugang zu dem Sparkonto oder dem Sparbuch.
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
    EMAIL: macpigeon@kaffeeschluerfer.com

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  8. moin, die Postbank ist mir mit ziemlich abenteuerlichen Behauptungen gekommen. ich soll zwei Sparkonten gehabt haben, die aufgelöst wurden. eins mit einem guthaben von 50 Cent. belegt hat das die Postbank aber nicht. diese Behauptungen wurden einfach in einem Brief aufgestellt - ohne nachweis. mein Sparbuch mit gut 700 euro habe ich erst einmal beiseite gelegt. das ist schließlich eine besitzurkunde. es hat auch niemand verlangt, dass ich dieses Sparbuch zurückgebe...irgendwann beginne ich die geschichte wieder von vorne. mal sehen, was die Postbank dann behauptet...

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  9. Unfassbar,was man sich in diesem Land alles bieten lassen muss-es wird höchste Zeit,das man diesen Hochstaplern der Banken,Regierungen und Behörden das Handwerk legt,denn keiner hat das Recht,so mit Menschen umzugehen-sollen Sie in der Hölle schmoren und jeden Tag von Luzifer einen Kaktus in den Allerwertesten geschoben bekommen....!!--Kämpf weiter---nicht aufgeben!!!

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    1. in bestimmten jahren scheint es buchungspannen gegeben zu haben, zu denen die postbank nicht stehen will...

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  10. Postbank kundenservice, die Postbank AG ist eine der gröβten Privatkundenbanken in Deutschland und sie hat rund 14 Millonen Kunden. postbank service

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    1. Die Postbank kann keine 14 Millionen Kunden mehr haben, ich bin ja jetzt weg ;-)

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