Die Bundeskanzlerin


Trägt Glockenrock

Ältere Mütter sollen höhere Renten bekommen. Für Kinder, die vor 1992 geboren sind, bekommen Mütter bislang 28 Euro monatlich, für Kinder, die später auf die Welt kamen, gibt es 84 Euro. Mit der so genannten "Mütterrente" beschäftigt sich die CDU im Dezember bei ihrem Parteitag in Hannover. Der Kompromiss könnte lauten: Ältere Mütter bekommen mehr, jüngere Mütter weniger Rente.

Klingt wie eine Meldung aus Schillers Zeiten: "Und drinnen waltet die züchtige Hausfrau, die Mutter der Kinder, und herrschet weise im häuslichen Kreise und lehret die Mädchen und wehret den Knaben und reget ohn' Ende die fleißigen Hände." ("Das Lied von der Glocke")

Dass inzwischen viele Mütter nicht mehr nur "drinnen walten", scheinen CDU-Frauen noch nicht mitbekommen zu haben - oder warum bedienen die sich veralteter Begriffe? Warum diskutieren die nicht über eine Elternrente? Sollen Väter, die sich ebenfalls um die Kinder kümmern, draußen vor der Renten-Tür bleiben? Wie wäre es mit einem fiktiven Mindestlohn für Kindererziehung mit entsprechenden realen Rentenansprüchen? Und zwar für Mütter und Väter - ob verheiratet oder nicht.

Als Familienpolitikerin trägt auch Angela Merkel einen Glockenrock. Heute wird sie in der "Bild am Sonntag" so zitiert: "...unser Grundgesetz (sieht) die Ehe in unmittelbarem Zusammenhang mit der Familie und (stellt) beide unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung..." Dabei beruft sich die Bundeskanzlerin auf Artikel 6 des Grundgesetzes: "(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. (2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft. (3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen. (4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft. (5) Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen wie den ehelichen Kindern."

Dieser Grundgesetzartikel passt in die heutige Zeit wie die FDP. Also kaum noch. Satz 1 sollte schon längst lauten: "Die Familie steht unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung." Satz 4 müsste lauten: "Jede Mutter, jeder Vater und jedes Kind hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft." Die besondere Erwähnung unehelicher Kinder ist schon lange nicht mehr zeitgemäß. Liest man den fünften Satz des sechsten Grundgesetzartikels genau, dann fällt auf,  dass nichteheliche Kinder auch nicht per Verfassung ehelichen Kindern gleichgestellt werden, sondern per Gesetzgebung. Das ist Zwei-Klassen-Recht und gehört abgeschafft.

Für Altkanzler Gerhard Schröder ist Familienpolitik nur "Gedöns" gewesen - und für die heutigen Parteien? Beim Elterngeld treten nächstes Jahr Änderungen in Kraft, die nur von Steuerexperten durchschaut werden können, bei der Schaffung von Kindergartenplätzen wird das Ziel klar verfehlt, an den Schulen fehlen 80 000 Lehrerinnen und Lehrer, die Mehrheit der Kinder von Eltern, die Hartz IV beziehen, hat sich bereits mit einem Leben im finanziellen Abseits abgefunden.

Flickschusterei hilft da nicht weiter, sondern nur klare Kante. Besonderer Schutz hilft nicht weiter, wenn die Verhältnisse nicht besonders sind. Zu besonderen Verhältnissen gehören aber auch neue Begriffe, denn nur der, der etwas begreift, kann auch Veränderungen gestalten. Sonst rennt er den Veränderungen nur hinterher, bis ihm die Luft ausgeht.

Für die Kinder etwas tun, sollte der größte Spaß werden, den wir uns vorstellen können. Auf diesem Fundament könnte eine neue Welt entstehen.  









Kommentare

  1. Daß die Mütter, die ihre Kinder vor 1992 geboren haben ,weniger Rente bekommen,ist ungerecht.
    Dabei ist eigentlich Eile geboten, das Gesezt zu ändern, viele dieser Mütter älter als 80 Jahre sind,und noch gerne in den Genuß einer Höherenrente kommen möchten.

    Was mich eigentlich wundert, daß keine Organisation auf die Idee kommt ,die betroffenen Mütter selbst ,deren Ehremänner, Söhne und Töchter,Enkel und Urenkel zu
    Protestaktionen aufruft.
    Werner Thiel


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